Die ursprünglich anmutenden Ortschaften und Landschaften auf Teneriffa rufen „Komm zu mir!“ in meine Richtung – so auch Icod de los Vinos im Nordwesten der Insel. Wenn du mit den grünen Bussen (den „Guaguas“) unterwegs bist, empfehle ich dir die Linie 108, in die ich bei La Orotava zusteige. Dieser Bus fährt schnell mit wenigen Stopps zum Ziel. Die ebenfalls mögliche Linie 363 macht Umwege und gabelt „an jeder Milchkanne“ Leute auf, so dass die Fahrt dementsprechend länger dauert. Natürlich hast du auch die Option, dir ein Auto zu mieten. Dann bist du flexibler.
Die Busstation von Icod de los Vinos ist am Rande des historischen Ortskerns sehr günstig gelegen. Bereits nach fünf Minuten Fußmarsch zeigt sich dir das Wahrzeichen des malerischen Bergdorfes – der Drago milenario (zu Deutsch: tausendjähriger Drachenbaum). Bei meiner Ankunft wirkt die Luft wegen des Sturms Calima ziemlich milchig, weshalb der Baum in einem fast surrealistischen Licht erscheint. Neben der Pfarrkirche von San Marcos auf der prächtigen Plaza Andrés de Lorenzo Cáceres aus dem 16. Jahrhundert bietet sich ein fantastischer Blick, um den berühmten Drachenbaum zu fotografieren.

Malerische Plätze in Icod de los Vinos
Ehe ich den Parque del Drago besuche, flaniere ich ausgiebig über den mit Palmen, Birkenfeigen und Trompetenbäumen bepflanzten Platz. Ein Hingucker ist die klassizistische Balustrade, die ihn umgibt. Ich schaue mir die Kirche mit der typisch katholischen Gold-Dekoration von innen an, entdecke einen hübschen Pavillon, ein Café und einen Marktstand mit lokalen Spezialitäten. Die Plaza präsentiert sich als Touristenmagnet, denn sie ist die erste Anlaufstelle in Icod de los Vinos und nur einen Katzensprung von allen anderen Sehenswürdigkeiten entfernt. Dazu gehören ein Bananen-Museum, ein Schmetterlingshaus und natürlich El Drago.
Der Parque del Drago
Ich entscheide mich für den Park und muss am Einlass feststellen, dass das globale Digitalisierungsprogramm inklusive QR-Code-System auch hier umgesetzt wird – wenn auch noch lange nicht perfekt. Der Eintritt kostet 5 Euro; die Zahlung ist nur per Kreditkarte möglich. Der Automat wird über einen Touchscreen bedient, doch die Schaltflächen mucken. Weil sie einfach nicht auf meine Befehle reagieren, greift eine Dame vom Personal ein, damit ich meinen Ticket-Kauf abschließen kann.
Sicher ginge alles viel schneller, wenn es noch ein gutes altes Ticket-Häuschen mit Eintrittskartenverkauf von Mensch zu Mensch gäbe! Als der Automat den Fetzen Papier ausspuckt, weist mich meine Helferin darauf hin, dass ich erst einmal an der Schranke den QR-Code einscannen möge. Das wird übrigens auch am Ausgang verlangt – daher bewahre deine Eintrittskarte gut auf.

Ältester Drachenbaum der Kanaren
Zurück zum eigentlichen Thema, dem Parque del Drago: Hier kannst du den gewaltigen Drachenbaum aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und natürlich auch aus nächster Nähe. Sein Alter wird auf 1.000 bis 2.000 Jahre geschätzt. Eine Menge Zeit, um rund 20 Meter Umfang zu gewinnen! Man geht davon aus, dass der Drachenbaum von Icod der älteste der kanarischen Inseln ist. Deshalb gilt er als eines der bedeutendsten historischen und kulturellen Symbole auf Teneriffa und ist seit 1917 Kulturdenkmal.
Um ihn herum wurde ein Garten voller endemischer Pflanzen angelegt, darunter kleinere Drachenbäume, Balsam-Wolfsmilch und Kandelaber-Wolfsmilch. Die schattigen Wege durch den Park schlängeln sich über mehrere Ebenen, auf denen du eine Aussichtsplattform, eine Höhle und mehrere Parkbänke findest. Der Parque del Drago eignet sich optimal für einen entspannten Sonntagsspaziergang. Ich lasse mir Zeit, genieße den Schatten der Palmenblätter und atme den Duft der grünen Oase ein.

Kirchen in Icod de los Vinos
Anschließend schlendere ich ganz gemütlich durch die mit Kopfstein bedeckten Gassen von Icod de los Vinos. Charakteristisch für den Ort sind die kleinen Brunnen, Kirchen und Stadtvillen wie rund um die Plaza de la Constitución, die im Volksmund als Plaza de la Pila bezeichnet wird. Im 16. und 17. Jahrhundert wohnten hier die wichtigsten Adelsfamilien der Gemeinde; einen Hauch von Noblesse verströmt der Platz bis heute. Es gibt auch einen touristischen Spezialitätenladen, wo ich prompt zu einer leckeren Weinprobe eingeladen werde.
Danach mache ich einen Streifzug durch die Fußgängerzone und stoße immer wieder auf imposante sakrale Bauwerke wie die Kirche San Agustin, die Kapelle Los Dolores oder das ehemalige Kloster San Francisco, das heute eine Bibliothek beherbergt. Brennend interessiert bin ich an der Cueva del Viento im oberen Teil von Icod de los Vinos. Es handelt sich nämlich um die größte vulkanische Röhre Europas mit zahlreichen unterirdischen Gängen.

Die Cueva del Viento
Mein Navi lotst mich zweieinhalb Kilometer steil den Berg hoch. Als ich völlig verschwitzt oben beim Besucherzentrum angekommen bin, sehe ich, wie eine Gruppe von Maskierten mit Helmen in einen Minibus steigt. Als ich nachfrage, ob ich die Höhle besichtigen könne, erfahre ich, dass ich meinen Besuch im Voraus reservieren müsse. Doch will ich mich wirklich vermummt durch einen Lavatunnel quetschen? So viel Live-Horror erspare ich mir lieber. Also gehe ich noch ein bisschen in Icod de los Vinos spazieren. Mit Sicherheit kommen bald Zeiten, in denen die Cueva del Viento wieder attraktiver für mich wird. (as)
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